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KRIMI-ERSTLING "FRÜHER IM LICHT" VON TAMAS KISS
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Ab dem 22. April 09 gibt’s "Früher im Licht", den ungewöhnlichen, literarischen und düsteren Krimi-Erstling von Tamás Kiss, in den Buchhandlungen zu kaufen.
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Die Ausgangslage für die spannende Story: Der junge Präsident einer Schweizer Rechtsaussen-Partei wird ermordet aufgefunden. Eine heisse Spur führt von Zürich nach Havanna. Kommissar Varga von der Zürcher Kriminalpolizei und der Einzige, der den Fall lösen kann. liegt allerdings mit Locked-In-Syndrom im Krankenhaus und ist handlungsunfähig...
Mehr Infos:
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www.salisverlag.com
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www.tamaskiss.ch
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Leseprobe:
Einsam stand ein silberner Audi in einer Mulde am Wegesrand, in dieser Gegend gab es nichts Interessantes, das Klubhaus eines Fischervereins, Schrebergärten, leere Grundstücke, vernachlässigtes Brachland. Varga stellte fest, dass es hier draussen am Fluss sibirisch kalt war. Er ging einige Schritte und der Boden klang hart unter seinen Absätzen, das Geräusch vibrierte bis hinauf in seinen Nacken. Das Kopfweh war immer noch da. Er musste dringend etwas essen. Varga blieb stehen, schaute sich um und teilte das vor ihm liegende Gelände in drei Abschnitte auf. Dann untersuchte er jede Zone einzeln und gründlich. Links von ihm lag ein sanfter Abhang, der in die schnell fliessende Glatt mündete. Vor ihm stand der Audi, neben dem Wagen froren eine Handvoll Männer und ein Hund, hinter ihnen erkannte Varga eine lockere Baumreihe. Rechts von ihm trennte ein Zaun den Weg von einer Art Schrottplatz, auf dem wildes Gestrüpp wucherte und Müll lag. Vor ihm war der Weg voller Fussspuren, doch sie waren schon vor Wochen gefroren, und ihm war klar, dass er diesen Täter nicht aufgrund von Fussspuren würde identifizieren können. Dieses Kunststück hatte er im Verlauf seiner Karriere ohnehin noch nie fertig gebracht. Lautlos flogen einige Krähen vorbei, Varga verfolgte sie am Himmel und stampfte dabei mit den Füssen, damit warmes Blut in sie hineinströmte. Nichts war zu hören. „Komm“, unterbrach Oswald die Stille, nahm ihn am Arm und zog ihn zu den Wartenden. Varga erkannte Egloff von der Staatsanwaltschaft, Hess und Hüppi aus seiner Abteilung, zwei Dicke, von denen er wusste, dass sie bei der Spurensicherung arbeiteten, und einen Alten mit Bürstenschnitt, der eine Hundeleine in seinen Händen knautschte und nicht recht zu wissen schien, was er tun sollte, bleiben oder fortgehen. Auf den Füssen des Alten sass eine schwarze Dogge, die aussah, als sei sie da festgefroren. Ausserdem standen vier Uniformierte beim Audi, zwei weitere bewachten den Fluss. Varga ging zu Egloff und schüttelte ihm die Hand. „Varga, dich gibt’s ja noch“, freute sich Egloff und Varga fragte ihn, ob er hinterher mit ihm eine Pizza essen komme. Egloff verneinte mit Bedauern, er hatte noch einen Termin am Gericht. Minuten vergingen. Es war immer noch genauso kalt. Irgendeiner schniefte, Oswald legte mit seinem Bericht los und alle hörten zu. Oswald hatte sich vor dem Audi aufgestellt wie ein Zinnsoldat, seine Nase war rot und sein Gesicht nahm langsam die Farbe von Wasser an. Während Oswald erklärte, wie der Dicke früh am Morgen mit seinem Hund am Fluss unterwegs war und dabei den Audi mit der Leiche entdeckt hatte, bog der Leichenwagen um die Ecke. Varga beobachtete die beiden Beamten des städtischen Bestattungsamtes, die aus dem grauen Ford kletterten, sich unbeholfen an den Kühler lehnten und synchron in ihre Handschuhe bliesen. Schon nach wenigen Minuten sahen sie aus wie aus Wachs modelliert. Kurz darauf war Oswald fertig mit seiner Geschichte. Varga nickte und trat an das Seitenfenster des Audi, um sich den Leichnam anzuschauen. Es war so, wie Oswald berichtet hatte: Der Tote war männlich, zwischen 30 und 40 Jahre alt, hatte nur noch wenige kurze, blassblonde Haare auf dem Kopf und ein Mardergesicht mit harten und scharfen Zügen. Er trug einen dunkelblauen Mantel, Jeans und Turnschuhe und wies einen Kopfschuss auf. Das Innere des Wagens war voll mit Blut, Hirnmasse und feinen Knochensplittern. Varga suchte kurz nach einem Austrittsloch im Autoblech und versuchte dann, sich das Bild einzuprägen. „Der Täter sass neben ihm“, meinte Egloff, der sich neben Varga aufgebaut hatte. „Oder er hat sich selber die Kugel gegeben und die Waffe noch schnell in den Fluss geworfen, bevor sein Licht ausging - um uns mal wieder richtig zu fordern.“ Varga nickte Egloff zu, als er plötzlich spürte, dass er vom Bedrohlichen und Ängstigenden, das jeder Tatort an sich hatte, genug hatte. Er wollte zurück in die Stadt, eine Quattro Stagione essen. Als er zum Volvo lief, fiel ihm die übliche emsige Geschäftigkeit an einem Tatort auf, in deren Zentrum jetzt der Audi stand. Ein Arzt beugte sich über den Toten, ein Fotograf baute Scheinwerfer auf, Menschen mit Messbändern liefen herum, aus der offenen Seitentüre eines Transporters wurde heisser Kaffee ausgeschenkt, die beiden vom Bestattungsamt stapften mit ihrer Metallwanne an ihm vorbei, alle taten ihre Arbeit. Als er Hess sah, winkte er ihn zu sich: „Sucht mir den Fluss ab. Im besten Fall findet ihr eine Waffe.“ Dann setzte er sich in den Volvo und wartete auf Oswald, der sich in der Kälte grauviolett verfärbt hatte.
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